Das Blender Syndrom stellt eine unterschätzte Karriere Krankheit dar.
Es ist nicht selten, nicht randständig und schon gar nicht exklusiv.
Im Gegenteil:
Das Blender Syndrom ist in modernen Organisationen nahezu flächendeckend verbreitet.
Es ist überall verfügbar, sozial akzeptiert und in vielen Branchen strukturell begünstigt.
Wie bei Alkohol beginnt der Kontakt früh, wirkt harmlos und bleibt gesellschaftlich toleriert.
Kaum jemand spricht offen darüber.
Noch weniger erkennen die ersten Symptome bei sich selbst.
Denn das Blender Syndrom tarnt sich nicht als Schwäche.
Es erscheint als Stärke.
Psychologisch lassen sich Parallelen zum Dunning Kruger Effekt erkennen, bei dem geringe Sachkenntnis mit überdurchschnittlicher Selbstsicherheit einhergeht.
Besonders auffällig ist die toxische Wechselwirkung zwischen Außenwirkung und organisationaler Wahrnehmung.
Je stärker die Inszenierung, desto höher die Zuschreibung von Kompetenz durch das Umfeld.
Substanz wird dabei nicht überprüft, sondern angenommen.
Das Blender Syndrom ist daher keine Randerscheinung.
Es ist ein systemisches Produkt.
Klinische Symptome des Blender Syndroms
Die Symptomatik des Blender Syndroms zeigt sich selten abrupt.
Vielmehr entwickelt sie sich schleichend und wird durch berufliche Erfolge häufig positiv verstärkt.
Eine klare Abgrenzung zu gesunder Selbstsicherheit ist im Frühstadium kaum möglich.
Im Verlauf lassen sich jedoch charakteristische Muster beobachten:
1. Disproportionale Selbstwahrnehmung
Betroffene weisen ein stabiles, überdurchschnittlich ausgeprägtes Kompetenzgefühl auf, das in keinem proportionalen Verhältnis zur tatsächlichen fachlichen Tiefe steht.
Kritik wird nicht integriert, sondern rhetorisch neutralisiert.
Parallelen zum Dunning Kruger Effekt sind deutlich erkennbar.
2. Dominante Außeninszenierung
Ein zentrales Leitsymptom ist die konsequente Priorisierung von Sichtbarkeit vor Substanz.
Präsentationen ersetzen Analyse.
Schlagworte ersetzen Argumente. Wirkung ersetzt Inhalt.
3. Selektive Verantwortungsverschiebung
Erfolge werden personalisiert, Misserfolge externalisiert.
Strukturelle Probleme, Marktbedingungen oder Teamdynamiken dienen als Erklärungsmuster, während die eigene Rolle konstant positiv bewertet bleibt.
4. Hohe Netzwerkadaptivität
Betroffene verfügen häufig über ausgeprägte soziale Anpassungsfähigkeit.
Sie erkennen Machtzentren schnell und positionieren sich strategisch in deren Nähe.
Fachliche Auseinandersetzung wird dabei durch Beziehungsmanagement ersetzt.
5. Toxische Feedbackresistenz
Mit zunehmendem Karrierefortschritt sinkt die Wahrscheinlichkeit ehrlicher Rückmeldung.
Das Umfeld passt sich an die Inszenierung an.
Kritische Stimmen verstummen oder verlassen das System.
Sekundäre Begleiterscheinungen
- Delegation komplexer Detailfragen
- Überproportionale Medienpräsenz
- Entscheidungsfreude bei gleichzeitig geringer Analysequote
Charakteristisch für das Blender Syndrom ist nicht das Fehlen von Intelligenz.
Charakteristisch ist die systematische Verschiebung von Kompetenz hin zu Wirkung.
Und genau diese Verschiebung bleibt in leistungsorientierten Organisationen lange unauffällig.
Diagnose und Differentialdiagnose des Blender Syndroms
Die Diagnose des Blender Syndroms erfolgt primär phänomenologisch.
Objektive Messverfahren existieren bislang nicht, da Betroffene in der Regel überdurchschnittliche Außenwirkung bei gleichzeitig reduzierter Selbstzweifelquote aufweisen.
Entscheidend ist die Diskrepanz zwischen wahrgenommener Kompetenz und überprüfbarer Substanz.
Diagnostische Leitsymptome
- Persistente Selbstüberschätzung bei geringer fachlicher Validierung
- Dominante Kommunikationspräsenz bei niedriger inhaltlicher Tiefe
- Systematische Delegation operativer Komplexität
- Hohe Statussensitivität
- Feedbackresistenz bei gleichzeitiger Außenbestätigung
Eine Abgrenzung zum klassischen Hochstapler Syndrom ist erforderlich.
Während dort trotz vorhandener Kompetenz eine Angst vor Enttarnung besteht, fehlt beim Blender Syndrom genau diese Furcht.
Substanzdefizite werden nicht befürchtet, sondern strukturell überdeckt.
Ebenfalls differenzialdiagnostisch relevant ist reine Narzissmusausprägung.
Das Blender Syndrom ist jedoch weniger durch Grandiosität motiviert als durch strategische Wirkungssicherung im beruflichen Kontext.
Die Diagnose gilt als gesichert, wenn Inszenierung dauerhaft leistungsrelevante Prüfmechanismen ersetzt.
Pathogenese: Entstehung und Verstärkung des Blender Syndroms
Die Pathogenese des Blender Syndroms ist multifaktoriell.
Es handelt sich nicht um ein isoliertes Persönlichkeitsmerkmal, sondern um ein adaptives Verhaltensmuster, das in bestimmten organisationalen Umgebungen selektive Vorteile erzeugt.
Frühphase: Positive Rückkopplung durch Sichtbarkeit
In der Initialphase wird ausgeprägte Selbstsicherheit häufig mit Kompetenz gleichgesetzt.
Frühzeitige Präsentationsstärke, rhetorische Dominanz und strategische Selbstplatzierung führen zu erhöhter Wahrnehmung.
Diese Sichtbarkeit erzeugt erste Erfolgserlebnisse, unabhängig von fachlicher Tiefe.
Verstärkungsphase: Institutionelle Bestätigung
Mit zunehmender Hierarchiestufe steigt die soziale Bestätigung.
Verantwortung wird übertragen, Statussymbole akkumulieren sich, externe Zuschreibungen von Expertise verfestigen das Selbstbild.
Substanz wird nicht geprüft, da Wirkung bereits als Leistungsindikator akzeptiert ist.
Chronifizierung: Systemische Immunisierung
Im Spätstadium entwickelt das Umfeld eine Form kollektiver Mitwirkung.
Kritik wird vermieden, da sie als Risiko für eigene Positionen wahrgenommen wird.
Das System stabilisiert das Syndrom aktiv.
Das Blender Syndrom wird damit nicht nur individuell, sondern strukturell verankert.
Bemerkenswert ist:
Die Erkrankung entsteht selten trotz Erfolg.
Sie entsteht durch Erfolg.
Gesellschaftliche Risikofaktoren des Blender Syndroms
Das Blender Syndrom gedeiht nicht im luftleeren Raum. Es benötigt ein soziales Klima, das Wirkung priorisiert.
1. Sichtbarkeitsökonomie
In digitalen und medial geprägten Märkten wird Präsenz messbar und damit bewertbar.
Reichweite ersetzt Expertise. Wiederholung ersetzt Belegbarkeit.
2. Beschleunigte Entscheidungsstrukturen
Organisationen unter Zeitdruck neigen dazu, Selbstsicherheit mit Entscheidungsfähigkeit zu verwechseln.
Differenzierte Analyse wirkt langsam. Dominanz wirkt effizient.
3. Statusorientierte Hierarchien
Titel, Rollenbezeichnungen und Außenwirkung erzeugen Kompetenzzuschreibungen ohne systematische Validierung.
Symbolik ersetzt Prüfung.
4. Soziale Konfliktvermeidung
Mit wachsender Hierarchie sinkt die Bereitschaft zur offenen Konfrontation.
Feedback wird weichgespült. Widerspruch gilt als illoyal.
In dieser Konstellation wird das Blender Syndrom nicht sanktioniert.
Es wird belohnt.
Fallanalyse: Der Fall Mark Eting
Über Jahre hinweg galt Mark Eting als strategischer Visionär, als Architekt großer Linien, als Gesicht einer wirkungsorientierten Agenturkultur.
Seine Präsenz war konstant und Interne Beobachtungen, die bislang nicht öffentlich kommentiert wurden, zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild.
Dokumentierte Entscheidungsprozesse zeigen eine auffällige Diskrepanz zwischen rhetorischer Klarheit und operativer Detailtiefe.
Strategische Leitlinien blieben häufig abstrakt, während die Umsetzung konsequent delegiert wurde.
Selbstsicherheit unerschütterlich.
Seine Position stabil.
Branchenintern wurde dieses Muster lange als Führungsstil interpretiert.
Erst im Kontext der hier dargestellten Analyse erhält es eine neue Einordnung.
Die Symptomkonstellation:
- ausgeprägte Außeninszenierung
- hohe Selbstzuschreibung von Kompetenz
- strukturell begünstigte Wirkungsmacht bei gleichzeitiger Substanzdiffusion
entspricht in wesentlichen Punkten dem beschriebenen Blender Syndrom.
Mark Eting selbst hat sich zu dieser Einordnung bislang nicht geäußert.
Die vorliegenden Indikatoren legen jedoch nahe, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt.
Sondern um ein Lehrbeispiel.
Therapie und Prognose des Blender Syndroms
Eine kausale Therapie des Blender Syndroms ist bislang nicht etabliert.
Das liegt vor allem daran, dass die Erkrankung in vielen organisationalen Kontexten adaptiv wirkt und mit beruflichem Aufstieg korreliert.
Therapeutische Ansätze
- Konfrontative Realitätsspiegelung
Systematische Überprüfung von Kompetenzen durch messbare Ergebnisse und transparente Leistungsindikatoren. - Strukturelle Feedbackpflicht
Anonyme, hierarchieübergreifende Rückmeldesysteme können die toxische Immunisierung durchbrechen. - Substanzbasierte Beförderungskriterien
Gewichtung von Fachbeiträgen über Selbstdarstellung. - Externe Evaluation
Unabhängige Prüfmechanismen reduzieren Wahrnehmungsverzerrung.
Prognose
Die Prognose ist ambivalent.
Individuell bleibt das Blender Syndrom häufig stabil oder progressiv, solange das Umfeld Wirkung höher bewertet als Substanz.
Spontanremissionen sind selten und meist an strukturelle Machtverluste gekoppelt.
Systemisch betrachtet ist die Erkrankung chronisch.
Sie passt sich an neue Marktbedingungen an und repliziert sich über Vorbildfunktion.
Besonders kritisch ist die toxische Auswirkung auf Nachwuchskräfte.
Wird das Syndrom als Erfolgsmodell wahrgenommen, steigt die Reproduktionsrate signifikant.
Langfristig führt dies zu Kompetenzerosion bei gleichzeitiger Zunahme von Präsentationsdichte.
Die Pressestelle von Schall und Rauch Marketing teilt mit, dass Mark Eting für eine Stellungnahme derzeit nicht zur Verfügung steht.
Copywrong @ Stefan Noffke

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